Neuseeland 10.03. - 04.08.2018

Aotearoa - im Land der langen weißen Wolke

In den Fußspuren meines Papas und meines Onkels machte ich mich im März 2018 auf ins Land der langen weißen Wolke. Ich erinnere mich (als wäre es gestern gewesen): mein Papa hatte mir immer Postkarten aus allen möglichen Ländern geschickt. Von Neuseeland kam eine mit grünen Hügeln und den putzigen Schafen. Mein Onkel reiste ebenfalls zweimal in dieses wunderschöne Land am anderen Ende der Welt. Ich bekam eine meiner ersten Ohrringe aus Paua-Muschel mitgebracht. Diese Erinnerungen liegen weit in den 90er Jahren zurück. Ich war noch ein kleiner Zwerg und wusste noch gar nicht wie groß und abwechslungsreich unsere Erde ist und was für wunderschöne Länder es gibt. Und dass Neuseeland am anderen Ende der Welt liegt.

Neuseeland war nicht mein alleiniges Abenteuer. Ich hatte das Vergnügen und Glück diese Reise mit einer Freundin, welche ich in Australien kennenlernte, antreten zu dürfen. Wir hatten beide die Absicht nach Neuseeland zu reisen und beschlossen es gemeinsam zu tun. Nach wochenlanger Vorfreude und hartem Hinarbeiten auf dieses große Ziel trafen wir uns im März wieder in Melbourne, Australien wo sich Monate zuvor unsere Wege getrennt hatten. Einen Tag später ging es dann zum Flughafen und ab ins Abenteuer. Wir hatten einen Sleepervan für 40 Tage gemietet und nach ein paar Tagen in Christchurch (bei einem Couchsurfer) ging unser Roadtrip dann los!

 

Wir bereisten erst die Südinsel und anschließend die Nordinsel. Die Hochsaison war vorbei und wir genossen leere Straßen und die Ruhe auf den Freedom-Campingplätzen. Das Wetter war - wie man es Neuseeland nachsagt - sehr wechselhaft. An einem Tag kann man alle vier Jahreszeiten durchleben. Der Zwiebellook wurde anscheinend für Neuseeland erfunden. Von kurzen Shorts und Top bis hin zu langer Unterwäsche, Kopfbedeckung und Winterjacke hatten wir jedes einzelne Kleidungsstück getragen welches wir in unseren Backpacks dabei hatten. Nachts war es meistens angenehm (mit unseren drei Decken und warmen Jogginghosen). Tagsüber genossen wir meistens die Sonnenstrahlen und den Wind in unseren Haaren. Ab und an hatten wir aber auch regenreiche Tage, an welchen wir uns dann  in öffentliche Bibliotheken verzogen, um uns aufzuwärmen, elektronische Geräte zu laden oder zu recherchieren und die Weiterreise zu planen. Zum Ende hin lernten wir zwei deutsche Jungs kennen und reisten noch ca. eine Woche mit ihnen.

 

Birte und ich hatten eine einzigartige Zeit in Neuseeland und ich werde diese Reise mit dieser besonderen Frau für immer in meinem Gedächtnis behalten und noch lange davon zehren. Es ist schwierig einen Reisepartner zu finden mit dem man sich einig ist und mit dem man sich auf einer Wellenlänge befindet. Ich hatte das Glück so eine Person an meiner Seite zu haben und diese unbeschreiblich schöne Land gemeinsam mit ihr zu erkunden.

 

Von der atemberaubenden Schönheit des Landes könnt ihr euch selbst überzeugen!

 

In Christchurch angekommen zogen wir zu unserem Couchsurfing-Host und erkundeten die vom Erdbeben in 2007 zerstörte Stadt Christchurch. Leider war es überall noch eine große Baustelle und nicht besonders schön anzusehen. Wir gingen zum Laternen Festival, wo verschiedene Artisten und  Künstler  auftraten. Es  gab Essensstände  und später  am Abend leuchteten die laternen.  Wir besorgten uns eine SIM-Karte fürs Handy, um Internetempfang zu haben und telefonieren zu können. 

Nach zwei Tagen holten wir unser Auto ab, führen Lebensmittel kaufen, richteten das Auto ein und fuhren zum Campspot. Am Tag danach fuhren wir nach Akaroa.

Am nächsten Tag fuhren wir über Timaru in Richtung Mount Cook Nationalpark. Als wir über eine hügelige Straße kamen entdeckten wir am Ende dieser Straße den blauen Gletschersee Pukaki. Wir waren sprachlos und hielten sofort am linken Straßenrand an um Fotos zu machen und kreischten vor Freude. Es war unfassbar überwältigend. Dieses Blau: so etwas habe ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen (die Bilder, die folgen, sind nicht bearbeitet!). Wir fuhren weiter - näher zum See und machten dort Halt. Wir gingen um den See spazieren und besuchten die Kirche. Dann machten wir uns zu unserer ersten Wanderung auf. Entlang am Lake Pukaki und plötzlich standen wir mitten in einer Kulisse von “Der Herr der Ringe”. Wir waren tatsächlich angekommen. Wir waren im Land der Hobbits und ich konnte diese unfassbare Schönheit gar nicht glauben. Es war unglaublich schön und schien so surreal. Wir lagen im kniehohen Gras und genossen die Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Vor uns dieses türkise Gletscherwasser, der warme Duft unserer Haut, die leichte Brise und die wunderschönen Berge, die uns umgaben. Jetzt konnte unser Abenteuer beginnen.

 

Wir fuhren weiter über Twizel und übernachteten am Rande eines Kanals in einem kleinen Waldstück. Am nächsten Morgen fuhren wir ganz früh in Richtung Nationalpark. Es war eine düstere Stimmung und wir hatten den unglaublichen Sonnenaufgang über “Mordor” (Herr der Ringe). Wir machten uns auf unseren ersten Bush-Walk und gingen dann den Hooker Valley Track entlang. Nach einer Weile war es so windig , dass es uns fast vom Pfad geblasen hätte. Wir sahen eine dunkle Regenfront kommen und drehten kurzerhand um. Am Auto zurück angekommen machten wir uns etwas zu essen und hatten danach die kälteste Dusche unseres Lebens! (Wir duschten mit eiskaltem Gletscherwasser, da die Warmwasserduschen nicht funktionierten). Anschließend fuhren wir noch zu den Elephant Rocks, wo ebenfalls einige Szenen von LOTR gedreht wurde.

Dann ging es für uns weiter über Omarama und Twizel nach Oamaru und den Moeraki Boulders.

Nach Palmerston und einer Übernachtung am Brighton Beach fuhren wir nach Dunedin und liefen die steilste Straße der Welt hinauf (unser Auto hätte diese Steigung nicht geschafft). Später am Tag fuhren wir zum südlichsten Punkt - dem Bluff (Stirling Point). Wir waren am St. Patricks Day in Dunedin. Die Jugendlichen feierten ausgelassen auf den Straßen und überall floss Alkohol. Wir verzogen uns an den Strand und beobachteten Robben und Möwen beim Sonnenbaden.

Nachdem wir über den Fjordland Nationalpark in Richtung Te Anau gefahren sind kamen wir an den Rakatu Wettlands vorbei. Hier machten wir eine kleine Wanderung und fuhren dann weiter zum Milford Sound Nationalpark. Es regnete. Wir starteten eine Wanderung, stellten aber nach einer Weile fest, dass es keinen Sinn machen würde, da wir keine richtige Regenkleidung hatten und durchnässt waren. Zudem hatten wir keine gute Sicht und der Gipfel würde nicht anders aussehen, als der ganze Weg: Neblig und grau. Einen kurzen Stopp machten wir am Mirror Lake - wo sich dank des klaren Wassers alles spiegelte, sofern es windstill war. Wir fuhren spontan zu einem Campingplatz und wärmten uns im Gemeinschaftsraum am Kaminfeuer auf. Wir kochten im Warmen und kuschelten uns nach einer heißen Dusche wieder in unser Auto. Am nächsten Morgen weckte mich Birte mit einem kleinen Feuer in unserem Auto! Sie kaufte einen Kuchen zu meinem Geburtstag und machte Tee und entflammte dabei (aus Versehen) unseren Gaskocher. Es regnete immer noch, aber wir ließen uns trotzdem nicht davon aufhalten (an meinem Geburstag) eine Bootstour durch den Milford Sound zu machen. Der Weg dorthin war fast schon am spannendsten - diese Berggiganten waren einfach nur unglaublich und wir waren sprachlos. Die Wasserfälle waren prachtvoll, wunderschön und in dem Sound (Fjord) lag eine mystische Stimmung. Am Abend gingen wir in Te Anau italienisch Essen - meine liebe Birte lud mich ein.

Am Tag danach machten wir uns nach einer kurzen Nacht auf zum Kepler Track. Ich gab nach einer Weile auf, da ich einfach nicht fit genug war um mit Birtes Tempo mitzuhalten und zudem nicht richtig ausgestattet war (Kleidung) - Birte erreichte den Gipfel. Ich drehte um und lief mit einer Französin den Weg zurück. Wir hatten super Gespräche und wieder am Auto angekommen bereitete ich Essen für Birte zu und packte unser Auto, so dass wir fahren konnten, sobald Birte zurück war. Die Aussicht war an diesem Tag leider auch nicht die beste, so dass es sich für mich lohnte, sich auf den Gipfel zu kämpfen. Der Weg war mein Ziel.

Wir übernachteten in Lumsden und erhaschten noch den letzten freien Campspot. Am nächsten Tag fuhren wir nach Queenstown und waren schon auf dem Weg dorthin von der Schönheit überwältigt. In Queenstown verbrachten wir nur wenige Stunden, da es unheimlich teuer ist in dieser Stadt länger zu bleiben. Wir sammelten Walnüsse im Park, aßen bei Devils Burger, aßen Eis, gingen in die Queenstown Gardens, zur Puzzle World und übernachteten dann in der Nähe der Kawarau Bungee Brücke. Hier beobachteten wir die Verrückten, die tatsächlich einen Sprung wagten. Am Abend hatten wir überraschender Weise ein Feuerwerk an der Brücke, da hier eine private Veranstaltung stattfand. Wir fuhren weiter nach Arrowtown.

An einem anderen Tag fuhren wir über Wanaka nach Roys Peek und ich erreichte meinen ersten Gipfel in Neuseeland (wobei es hier mehrere Gipfel gab). Der Weg war unglaublich ermüdend, da es serpentinenartig über drei Stunden nach oben ging. Wir sahen die ganze Zeit den Weg und kamen einfach nicht näher zum Ziel. Aber letztendlich wurden wir dann mit einer super Aussicht belohnt und lernten eine Menge netter Leute auf dem Weg kennen. Und die Schafe waren das Beste an der ganzen Wanderung. Der Pfad führte nämlich durch Weideflächen. Am Abend schliefen wir dann an einem Flussbett.

Weiter ging es in Richtung Franz-Josef und Fox Gletscher. Hier verbrachten wir ein paar Tage, da wir auf gutes Wetter warteten, um den Fox Glacier Heli Hike zu machen. Eine geführte Wanderung im Gletscher. Man flog mit einem Helikopter zu einer Plattform, die ins Eis gehackt wurde und startete dann die mehrstündige Wanderung durchs Eis. Es war mein erster Helikopterflug und das teuerste Abenteuer in Neuseeland - bzw. meiner gesamten Reise, aber es stand ganz hoch auf meiner Wunschliste und somit erfüllten wir beide uns diesen Traum. Wer kann schon sagen, dass er in einem Gletscher gewandert ist!? Und dann diese Farbe des Eises! Unglaublich.

Dann führte unsere Route über Okarito und Hokitika zu den Pancake Rocks. Birte zauberte uns Popcorn mit Karamell und wir übernachteten an den schönsten Flecken, die ich je gesehen habe.

Über Collingwood und Motueka fuhren wir dann in den Abel Tasman Nationalpark. Apfelplantagen und grüne Hügel zeichneten diese Gegend aus. Wir kamen vorbei an einer Moorlandschaft und freilaufende Pferde kreuzten unseren Weg. Am Ostersonntag verbrachten wir den Tag mit Crepes-Frühstück und einer ausgiebigen Wanderung an den Klippen in unserem Schaf-Paradies. Die Landschaft war so grün und so hügelig und so wunderschön und so garnicht in Worte zu fassen.

Danach fuhren wir noch zu den klarsten Quellen Neuseelands und mussten dann unser Auto komplett ausräumen, da es undicht war und es bei Regen immer hineinregnete. Unsere Sachen waren durchnässt und wir mussten uns eine Lösung für dieses Problem einfallen lassen. Weiter fuhren wir in Richtung Nelson, vorbei am Split Apple Rock und landeten letztendlich in Picton, wo wir einen Tag in der Bücherei verbrachten, um die Route der Nordinsel zu planen und die Fähre zu buchen. Den Abend verbrachten wir dann am Cloudy Bay (nähe Blenheim) mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.

Früh am Morgen machten wir uns auf zum Fährhafen in Picton, wo wir die Fähre nach Wellington nehmen wollten. Ich hatte ein Bewerbungsgespräch (für Tansania) und musste unbedingt Internetempfang haben. Nach dem Telefonat fuhren wir auf die Fähre, nahmen am Deck Platz und genossen die 3-stündige Fährfahrt durch den Queenssound. In Wellington angekommen beschlossen wir lediglich zu einem Aussichtspunkt zu fahren - dem Mount Victoria und machten uns dann zu unserem Schlafplatz für die Nacht. Am nächsten Morgen fuhren wir zum Cape Palliser Lighthouse und fanden auf dem Weg dorthin eine Bucht voll mit Robben. Wir verbrachten über eine Stunde damit die Robben zu beobachten und fuhren dann die einsame Küstenstraße weiter zum Leuchtturm, wo uns viele hunderte Stufen erwarteten. Wir hatten diesen Geheimtipp von Petra von “Passenger on Earth” gefunden. Auf dem Rückweg kamen wir an Rindern, Pferden, Bergziegen, Schafen und Eseln vorbei.

Weiter ging es nach Hastings und Napier. Die Art Deco Stadt hatte ihren ganz eigenen Charm. Wir gingen über den Samstags Bauernmarkt und schlenderten durch Second-Hand-Shops. Dann fuhren wir weiter nach Gisborne und zur Tauranga Bridge.

Der Weg brachte uns über Taupo und den “coolsten McDonalds der Welt”, den Hukka Falls nach Rarotonga, wo es nach Schwefel stank. Der “alte-Eier-Gerucht” lag dauerhaft in der Luft. Wir gingen durch den Redwood Forrest und beobachteten Gaysire beim Ausbruch/Spucken. Wir nahmen ein Fußband in heißen Quellen und besuchten Maori-Dörfer. In einer Bücherei versorgte uns ein Mitarbeiter mit Feijoas aus seinem Garten und ich entdeckte meine neue Lieblingsfrucht.

Wir machten uns über den Forgotten World Highway auf nach New Plymouth, um am nächsten Tag ein Foto des Mount Taranaki zu bekommen. Dieser Berg wurde ständig von Wolken umgeben. Und wir machten uns früh am Morgen auf, da der Wetterbericht ab 9:30 Uhr Wolken vorhersagte. Wir hatten Glück und bekamen hunderte Fotos vom magischen Berg. Zudem hatten wir das erste Mal wieder Schnee zu Gesicht bekommen und freuten uns wie kleine Kinder!

Nachdem wir die Waitomo Caves besuchten und eine Glühwürmchen-Tour machten fuhren wir über Hamilton nach Tauranga, übernachteten am Papamoa Beach und fuhren dann zum Mount Maunganui um diesen am nächsten Tag zu besteigen.

Dann ging es nach Katikati, dem Mural Town. Hier machten wir mit der Straßenkunst (Streetart) ein Fotoshooting und hatten unseren Spaß. Später fuhren wir über Whangamata weiter zur Coromandel Halbinsel. 

Am nächsten Morgen packten wir unsere Topfdeckel und buddelten Löcher am Hot Water Beach, um zu den heißen unterirdischen Wasserquellen im Strand zu gelangen. Fürs Schaufel ausleihen waren wir zu geizig und wir waren ja schließlich erfinderisch und benutzten einfach unsere Küchenutensilien und waren dann tatsächlich erfolgreich.

In Matakohe am Freedom-Camping-Platz vor dem Kauri Museum lernten wir zwei dt. Jungs kennen und beschlossen ein paar Tage mit ihnen zu reisen. Unsere älteren Nachbarn schenkten uns den Eintritt ins Museum und luden uns zu sich auf die Südinsel ein. Wir fuhren nach Dargaville, liefen durch den Waipoua Forrest mit den gigantischen Kauri Baumriesen und vorbei an den Dünen am 90 Mile Beach. Wir erreichten den nördlichsten Punkt Neuseelands - Cape Reigna und fuhren dann weiter zurück in Richtung Süden. In Kerikeri übernachteten wir hinter dem Haus wo sich die bekannteste Toilette Neuseelands, die Hundertwasser Toilette befindet und fuhren dann weiter nach Paihia und Whangerei, wo wir die Wasserfälle besichtigten und eine kleine Wanderung machten. Dann trennten sich unsere Wege kurz vor Auckland und wir sagten “Goodbye” zu unseren neuen Freunden.

In Auckland angekommen brachten wir unser Auto zurück zur Vermietung und nahmen den Zug zu unserem Couchsufrer-Gastgeber Tottie, welcher in einem Industriegebiet wohnte. Da Birte einiges für die Uni-Bewerbungen zu erledigen hatte führte Tottie mich zu verschiedenen Vulkanen im Umland von Auckland und gab mir eine historische Führung. Wir lernten zwei Mädels aus Belgien kennen, die uns ein paar Stunden begleiteten. Am Abend sahen wir den Sonnenuntergang von Totties Lieblingsplatz in Auckland und fuhren dann wieder zur Wohnung, um Abendessen mit Birte zu kochen. Einen Tag fuhren wir zusammen in die Innenstadt und machten eine kleine Stadttour und schlenderten in ein paar Läden. Nach einigen Tagen war dann der blöde Teil der unseren gemeinsamen Reise gekommen. Wir mussten “auf Wiedersehen” sagen.

Nach sechs wunderschönen, lustigen, abwechslungsreichen, sehr intensiven Wochen trennten sich unsere Wege wieder.

Dieses Mal in Auckland. (Birte nahm den Skybus zum Flughafen und ich den Intercity Bus nach Tauranga)

Anschließend machte ich mich dann auf den Weg nach Tauranga um für einen Couchsurfer zu wwoofen, d.h. für ihn zu “arbeiten” für Unterkunft und Verpflegung. Es waren lediglich wenige Stunden am Tag buchhalterische Arbeiten geplant. Ich lernte jedoch bei ihm eine junge Frau aus den Staaten kennen und wir beschlossen spontan nach Auckland zu reisen, um für den anstehenden nationalen Feiertag Freunde von ihr zu besuchen. Wir waren beide vorher noch nie per Anhalter “gereist” - wollten es aber zusammen ausprobieren. Gesagt - Getan! Wir packten noch am selben Tag unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zur Hauptstraße, um dort unsere Daumen rauszuhalten. Nach weniger als fünf Minuten nahm uns eine junge Dame einige Minuten mit uns brachte uns zum anderen Ende der Stadt, so dass wir es leichter hatten eine Mitfahrgelegenheit nach Auckland zu bekommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit nahm uns ein junger Mann mit nach Katikati. Es war mittlerweile dunkel geworden und wir überlegten, ob wir es überhaupt noch an unser Ziel schaffen würden. Als wir schon planten uns ein Hostelzimmer zu buchen hielt eine Frau mit ihrer Tochter Yvette am Straßenrand und erkundigte sich, wohin wir wollten und ob wir einen Schlafplatz brauchen würden. Ihr Name war Ruth und von diesem Moment an war diese Frau nicht mehr aus meiner Neuseeland-Reise wegzudenken - aber dazu mehr im Verlauf der Geschichte. Nach kurzem Überlegen stiegen wir in das Auto und fuhren nach Waihi Beach. Angekommen im Haus begrüßten uns auch schon ihr Ehemann Martey, ihr Sohn Luke, Rusty der Hund und die zwei Katzen Namens Mus und Zinny. Wir wurden mit heißem Tee und Kuchen versorgt und bekamen eine ganze Etage für uns zum wohnen. Wir wurden eingeladen so lange zu bleiben wie wir wollten und ihr Zuhause als Basislager zu nutzen. Am nächsten Tag wollten wir ja eigentlich den ANZAC Feiertag in Auckland verbringen, aber da dies schier unmöglich für uns wurde luden uns unsere neue Gastfamilie ein diesen Tag mit ihnen zu verbringen. Gesagt - Getan! Wir krabbelten nach unendlich scheinenden Unterhaltungen und Reisegeschichten-Austausch ins Bett. Um 5 Uhr morgens klingelte der Wecker, wir frühstückten kurz etwas und dann fuhren wir nach Waihi, um dort die traditionelle Parade zum Nationalfeiertag anzusehen. Anschließend bekamen wir noch ein zweites Frühstück im RSA Club und dann wurde uns Waihi gezeigt. Wir wurden so herzlich aufgenommen und waren schon nach wenigen Stunden ein Teil dieser wundervoll herzlichen und gastfreundlichen Familie. Ruth ist Gärtnerin und kommt ursprünglich aus Südafrika, Luke reist unheimlich viel und unterrichtet bald Englisch in Spanien, Yvette studiert in Wellington, Martey ist Schreiner und ein “Traum” von einem Mann, da er so ein toller Heimwerker und total lustig ist. Der zweite Sohn der Familie lebt auf der Südinsel Neuseelands - ihn habe ich leider nicht kennengelernt. Wir nahmen also deren Angebot an und verbrachten einige Tage im Hause der Familie Kingsford. Luke zeigte uns seine Lieblingsplätze, wir machten ein paar Wanderungen, gingen an den Strand, kochten zusammen und füreinander, tauschten Geschichten aus und lernten uns alle besser kennen. Ich konnte mich auf meine Jobsuche konzentrieren und bürokratische Dinge erledigen. Es war das erste mal wie “zuhause” fühlen. Ich verliebte mich sofort in deren Garten und half als kleine Gegenleistung und als Dankeschön mit den Pfad durch den Garten zu pflastern. 

Nach knapp einer Woche packte ich meine Sachen und machte mich mit dem Bus auf den Weg zurück nach Tauranga, besser gesagt Mount Maunganui und buchte mich dort in ein Hostel ein.

Hier lernte ich sofort zwei Jungs kennen - die ich vorher schon im Bus gesehen hatte. Wir waren zufällig auf derselben Route gewesen, checkten im selben Hostel ein und landeten im selben Zimmer. David war aus Irland und Jakob aus Kanada. Beide schloss ich sofort in mein Herz. Wir hatten so tolle Gespräche und waren auf derselben Wellenlänge. Ein Trio war geboren! Wir suchten alle nach Arbeit und bekamen auch ziemlich schnell welche. Wir starteten als Kiwipflücker. Hier lernten wir wieder unheimlich viele und tolle Reisende kennen. Viele aus Argentinien, Brasilien oder Chile. Alejandro und Nikolas aus Chile waren frisch angekommen in Neuseeland und wollten hier ein Jahr bleiben. Sie wollten ihr Englisch verbessern. Ich half ihnen so gut ich konnte und sie versuchten mir im Gegenzug Spanisch beizubringen. Die Arbeit machte total Spaß - mal abgesehen davon, dass wir morgens auf eine SMS warten mussten, wann wir starten würden und wo! Jeden Tag fuhren wir wo anders hin und starteten an unterschiedlichen Zeiten. Mal bekamen wir eine SMS, dass wir um 8 Uhr starteten, an anderen Tagen warteten wir bis 10 Uhr und erst dann kam eine Nachricht, dass wir heute keine Arbeit hatten. Wenn es regnete oder die Früchte nass waren konnten wir nicht arbeiten (wg. Säuregehalt und weil man feuchte Früchte nicht einlagern und verpacken kann). Wir waren also jeden Tag (7 Tage die Woche) ab 6 Uhr morgens bereit und startklar. Oftmals warteten wir an der Plantage auf Einweisungen oder Zuteilungen in Teams. Manchmal mussten wir mittags die Location wechseln und fuhren zu einer anderen Plantage. Dort warteten wir wieder und nach stundenlangem Warten wurde uns mitgeteilt, dass die Traktoren nicht funktionieren würden und sie die Kiwis nicht abtransportieren könnten. Die Leute, die dort arbeiteten waren super tolle Menschen, jedoch war die Arbeit für mich persönlich zu unbeständig. Es war eine tolle Erfahrung und ich habe jede Kiwi mit “Liebe” gepflückt - auch wenn es sich manchmal wie Akkordarbeit angefühlt hat und wir mehr als 20 kg Kiwi vor uns in Bauchtaschen gepflückt hatten und diese dann zu großen Behältern transportieren mussten. Wir hatten alle viel Spaß und motivierten uns gegenseitig. Es waren nicht nur Backpacker (also andere Reisende) sondern auch Saisonarbeiter aus allen möglichen Inselstaaten um Neuseeland.

Nach einer Woche wechselte ich den Job und startete in einem Verpackungslager für Kiwis. Zwei deutsche Mädels dienten für mich als Mitfahrgelegenheit. Wir arbeiteten in der Nachtschicht, da es hier mehr Lohn gab und wir mehr vom Tag hatten und die Sonne zu Gesicht bekamen (Winterzeit in Neuseeland - Sonnenuntergang ca. 17 Uhr). Wir starteten um 18 Uhr und arbeiteten bis morgens um 3:30 Uhr. Auch hier arbeiteten überwiegend Saisonarbeiter von den Inselstaaten wie z. B. Vanuatu, Tonga, Samoa, Fiji Island oder Rarotonga. Es war so eine gute Stimmung, jeder - aber wirklich jeder - half gegenseitig und in den Hallen schallte laut das Radio. Die Zeit verflog und ich hatte eine riesen Freude beim Arbeiten. Angestellt wurde ich als “Grader”, was so viel heißt wie Vorsortierer. Meine Aufgabe war es Kiwis in Klassen einzuteilen. Die besten Kiwis, Klasse 1, kommen nach Europa und Japan. Neuseeländer haben meist nur Klasse 2 oder 3 in ihren Supermärkten. Die meiste Zeit war ich jedoch als “Packer” eingeteilt: Verpacker. Hier arbeitete man - wie überall im Lager am Fließband. Manchmal schien es als würde man von Kiwis überrollt werden, weil das Band niemals stillstand und immer mehr Früchte kamen. Aber es dauerte keine zwei Minuten da standen auf einmal drei Menschen mit am Arbeitsplatz und halfen die Kiwis in Rekordgeschwindigkeit zu verpacken und nach wenigen Tagen praktizieren war man schnell genug und hatte die Griffe drauf. Nach einigen Tagen zog ich dann auch nach Te Puke um. Näher zur Arbeit: Kosten für Transport und Unterkunft einsparen. Ich war hier ja schließlich um etwas Geld zu verdienen und zu sparen für meine Weiterreise.

Da die Saison Mitte Juni endete schaute ich mich zuvor wieder nach einem neuen Job um, da ich die Zeit bis August (Abreise aus Neusseeland) überbrücken wollte und sinnvoll nutzen. Nach knapp sechs Wochen in der Kiwi-Industrie packte ich meine Sachen, zog aus meinem angemieteten Zimmer aus und machte mich wieder auf den Weg zu Ruth und ihrer Familie. Sie luden mich ein noch einmal ein verlängertes Wochenende mit ihnen zu verbringen bevor ich meine neue Arbeitsstelle auf einer Milchfarm antreten würde. Ich nahm also wieder den Bus von Te Puke nach Tauranga, ging dort noch um ein paar Stunden zu überbrücken in die Art Gallery (Kunstmuseum), schlenderte durch die Gassen und stöberte durch ein paar Geschäfte und nahm dann den nächsten Bus nach Waihi Beach. An der Bushaltestelle lernte ich zufälliger Weise den Nachbarn von Ruth und Martey kennen und unterhielt mich die ganze Busfahrt über mit ihm. In Waihi Beach angekommen ging ich durch den Garten ins Haus meiner Gastfreunde (die Türen sind nie abgesperrt in Neuseeland). Dann huschte ich in den Supermarkt, kaufte ein und bereitete ein Abendessen für Ruth & Familie zu. Ich wurde wieder so herzlich aufgenommen, als wäre ich das verloren gegangene Kind, welches wieder nach Hause kam. Wir quasselten bis in die Nacht hinein und gingen dann zu Bett. Ruth nahm mich am nächsten Morgen mit auf den Bauernmarkt und am darauffolgenden Tag starteten wir früh morgens mit dem Auto nach Thames. Luke hatte die Pinnacles Hut für uns gebucht und wir machten uns auf dorthin zu wandern. Luke, Ruth, Martey und ein Freund der Familie, Duncan. Er war Journalist und arbeitete viele Jahre für BBC. Wir hatten so tolle Gespräche und er inspirierte mich unglaublich. Er ermutigte und stärkte mich. Er machte mich so neugierig auf die Welt und andere Länder. Diese Wanderung war eines meiner Highlights in Neuseeland. Ich hatte es mit Birte leider nicht geschafft eine Mehrtageswanderung zu machen, aber hier konnte ich das erste mal in meinem Leben in einer Berghütte übernachten, mit einer Panorama-Aussicht über die Coromandel Halbinsel und einem wunderschönen Sonnenuntergang. Die Reisetruppe war super gemischt. Ruth war etwas langsamer unterwegs, die Jungs etwas schneller. Wir hatten insgesamt ein super Tempo und machten die stundenlange Wanderung mit Links! An der Hütte angekommen bezogen wir unsere Stockbetten und machten uns dann weiter zum Gipfel, wo wir den Sonnenuntergang genießen wollten. Der Weg war sehr steil, wir mussten streckenweise Leitern besteigen und uns an Seilen festhalten. Jedoch schafften wir es alle fünf bis zum Gipfel und auch heile wieder zurück zur Hütte, bevor die dunkle sternenklare Nacht einbrach. Wir hatten zuvor so viel Essen vorbereitet und starteten dann in der großen Gemeinschaftsküche zu kochen. Die zwei Schlafsäle umfassten 80 Betten und die Hütte war in dieser Nacht restlos ausgebucht. Wir hatten so viel Spaß mit unseren “Bett-Nachbarn” und verbrachten noch Stunden am offenen Kaminfeuer. Dann ging es aber bald zu Bett, da wir ja noch einen langen Abstieg vor uns hatten und Luke den Sonnenaufgang vom Gipfel aus sehen wollte (hierhin wanderte man noch gut 40 Min. von der Hütte aus). Am darauffolgenden Morgen war es leider stark bewölkt und man konnte aufgrund des Nebels keine zehn Meter weit sehen. Luke kraxelte trotzdem zum Gipfel - wir anderen vier blieben kuschelig warm eingepackt in unseren Schlafsäcken noch bis 8 Uhr liegen, machten dann Frühstück und packten unsere Sachen für den Abstieg. Ich war Ruth so dankbar, dass sie mich zu diesem besonderen Ausflug mitgenommen hatten! Mit Duncan tauschte ich sofort Bilder aus. Wir stehen heute noch in Kontakt und schreiben uns E-Mails und tauschen Geschichten und Bilder aus. Am nächsten Morgen konnten wir kaum noch laufen - wir spürten alle (!) unserer vorhandenen Muskeln! Es war schon sehr lustig, dass sich jeder uralt fühlte und wir nur mühsam von der Couch aufstehen konnten. Aber eine mehrtägige stundenlange Wanderung steckt man eben (ohne vorherige große Bewegung) nicht so einfach weg. Bei mir dauerte es zum Glück nur zwei Tage, dann war ich wieder im Normalzustand.

Das Wochenende war vorbei und Ruth gab mir eine Mitfahrgelegenheit bis nach Hamilton, wo ich dann den Bus nach New Plymouth nahm. Von hier aus wurde ich dann von meiner neuen Arbeitgeberin abgeholt. Auf den Rücksitzen befanden sich schon meine drei neuen Freunde. Connor (5 Jahre), Oliver (4 Jahre) und Clara (1 Jahr). Ich startete auf der Milchfarm kurz bevor die Kälbchensaison startete. Alle Kühe waren trächtig und wurden somit nicht gemolken. Ich half auf der Farm die Unterställe vorzubereiten, Melkanlagen zu reinigen, Wege zu preparieren und kleine Jobs zu erledigen. Mein Hauptaugenmerk lag in der Kinderbetreuung und im Haushalt. Ich war von 0 auf 100 zu 3-facher Ersatzmama geworden! In der ersten Woche rebellierte der älteste Sohn noch gegen mich und wollte mich nicht mehr da haben, da ich eben eine “doofe Erwachsene” war die Regeln aufstellte und nicht immer nur Spielkameradin war, aber nach wenigen Tagen war ich aus dem Alltag der Kids nicht mehr wegzudenken. Spielen, lernen, lachen - Hausaufgaben machen, Haushalt schmeißen, füttern, kochen, putzen, Tränen wegwischen usw. Ich war voll drin. Die junge Familie nahm mich herzlich auf und ich verbrachte auch meine “freien” Wochenende mit ihnen. Ab und an schnappte ich mir das Auto und fuhr in der Taranaki Region umher. Die Farm hatte ein unglaubliche Lage. Aus meinem Fenster heraus hatte ich diese unbeschreiblich tolle Aussicht auf den Mount Taranaki. Dieser Berg hatte eine “Ausstrahlung”, welche man nicht beschreiben kann - Berge allgemein haben eine Wirkung auf mich die ich nicht in Worte fassen kann und dieser Berg war ein ganz besonderer. Jeden Tag erstrahlte er in neuem Licht, umfasst von Wolken, versteckt im Nebeldunst oder klar und schneebedeckt.

Ich traf mich an einem Wochenende mit Ruth und ihrer Familie, da diese für einen Halbmarathon in der Region waren. Wir verbrachten zwei Tage zusammen, gingen zu einem Rugby-Spiel und ich deckte mich in den letzten Wochen in Neuseeland noch mit Second-Hand-Kleidung für die Safari in Afrika ein. Ich blieb noch bis wenige Tage vor meinem Abflug in Eltham, Taranaki und flog dann vier Tage bevor es nach Afrika ging nach Auckland. Hier verbrachte ich drei Nächte in der Haka Lodge und konnte noch einige Dinge auf meiner To-Do-Liste erledigen.