20 Dinge, die ich von meiner Mama gelernt habe

Der heutige Beitrag ist ein kleiner Liebesbrief an meine Mama. Die mir so viel mitgegeben hat, der aber manchmal gar nicht bewusst ist, wie wunderbar sie alles gemeistert hat, alleinerziehend mit zwei Mädels. Den Tag habe ich bewusst ausgewählt, denn heute ist ihr 60. Geburtstag. Ja, meine Mama ist schon 60. Crazy, oder? Jedenfalls kann ich mich so glücklich schätzen, dass ich in einer so wunderbaren, fürsorglichen und loyalen Familie gelandet bin. Jeder nimmt mich so wie ich bin und alle unterstützen mich bei dem was ich mache oder was auch immer ich tun will. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, denn eigentlich ist es leider oftmals Gang und Gebe, dass Kindern und Enkelkindern gesagt wird, was sie studieren oder auf keinen Fall studieren sollen, wie sie ihr Leben zu leben haben und was sich so gar nicht gehört. Ich werde so genommen, wie ich bin und mir wird mehr Vertrauen entgegengebracht, als ich oft selbst in mich habe und das ist einfach wunderbar.

 

20 Dinge, die ich von meiner Mama gelernt habe:

 

1. Mut.

Meine Mama war (und ist) so mutig. Denn sie musste vor vielen Jahren einen großen Schritt wagen und hat meine ältere Schwester und mich mehr oder weniger alleine in großgezogen. Sie hat es gemeistert, dass wir Mittags Essen auf dem Tisch stehen hatten, als wir vom Kindergarten heimkamen und nebenher hat sie noch mehrere Jobs gemeistert, um uns jeden Wunsch erfüllen zu können. Meine Mama ist so stark und mutig. Ich weiß nicht, ob ich das könnte!

 

2. Wärmflaschen/Kirschkernsäckchen sind wunderbar und heilen viele Wehwehchen.

Auch das habe ich von ihr gelernt. Ich würde ein Kirschkernsäckchen zwar immer einer Wärmflasche vorziehen (das ist klar, haha!), aber generell haben wir - wenn wir mal krank waren (was nicht oft vorkam) keine Medikamente schlucken müssen, sondern wurden mit Hausmittelchen wieder aufgepeppelt und gesund gepflegt.

 

3. Durchhaltevermögen.

Egal was kam, egal wie schwierig es war, sie hat alles gemeistert, sich getraut und durchgehalten. Das ist eine ihrer größten Eigenschaften, die sie uns vermittelt hat.

 

4. Lebenseinstellung: Lieber daran wachsen, anstatt “wunderlich” werden.

Meine Mama hat mir einmal gesagt, dass sie wusste, dass sie immer zwei Möglichkeiten hat. Entweder sie wird zu einer verbitterten Frau, die an all den Hürden und Aufgaben verbittert, oder sie sieht alles als eine Aufgabe, an der sie wachsen darf. Sie hat schon so viel erlebt (sei es “Krebsdiagnose”, alleinerziehende Mutter, verschiedene Arbeitsstellen, Selbstständigkeit uvm.) und irgendwie ist sie nie daran verzweifelt, egal wie schwierig es war, sondern hat sich am Ende durchgeboxt und ist daran gewachsen. Das bewundere ich sehr!

 

5. Ich darf mich frei entfalten.

Und diese Entfaltung ist so wichtig, denn jeder ist anders. Es gab nie übermäßig viel Fleisch bei uns und als ich mich mit 8 oder 9 Jahren dazu entschieden habe, komplett vegetarisch zu werden, hat sie das einfach akzeptiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie versucht hat, mich umzustimmen oder sonstiges. Sie hat meine Entscheidung unterstützt. Ich habe als Kind Entscheidungen für mein Leben und meine Gesundheit getroffen und sie hat das einfach hingenommen und unterstützt. Wir durften sein, wer wir sind. Und das tue ich auch heute noch. Auch wenn man vielleicht zwischendurch von seinem Pfad abkommt. Das ist ok! Mittlerweile bin ich sehr glücklich mit meinem Leben. Denn ich tue das, was ich liebe!

 

6. Frauen können alles. Auch „Männersachen“.

Da es bei uns nie einen Mann im Haus gab, hat meine Mama immer alles geregelt, auch die typischen Sachen, die Männer normalerweise tun. Bei diversen Bauarbeiten hat immer mein wunderbarer (und sehr talentierter) Großonkel (als er noch lebte) geholfen, das war klasse! Jedoch hat meine Mama mir ganz einfach immer gezeigt, wie stark Frauen sein können. Meine Mama setzt sich in jedes Auto rein und fährt einfach los. Meine Mama schleppt Erde vom Baumarkt nach Hause. Sie ist alleine mit uns zweien und anderen alleinerziehenden Müttern in den Urlaub gefahren, in andere Städte gecruist usw. Meine Mama kann einfach irgendwie alles und diese Selbstständigkeit bewundere ich an ihr.

 

7. Ich bin gut so wie ich bin.

Vielleicht hätte es bei uns ab und zu ein paar mehr Regeln und Struktur geben sollen, aber an Liebe hat es uns nie gemangelt. Meine Mama hat uns immer so viel Liebe gegeben, egal welche Noten wir hatten, egal was wir gemacht oder nicht gemacht haben. Ich hoffe, ich werde meinen Kindern später so viel Liebe geben, wie sie es bei uns tut.

 

8. Tu, was dich glücklich macht.

Sie hat nie darauf gepocht, dass ich studiere, wenn ich das nicht wirklich möchte. Egal ob ich Gärtnerin bin, Musikerin oder Astronautin. Es ist meiner Mama nicht wichtig, Hauptsache ich bin glücklich und lebe ein erfülltes Leben. Dass ich so aufgewachsen bin, dass ich nicht getrimmt wurde, ein vorgegebenes Ideal zu erfüllen, dafür bin ich sehr dankbar. Ich weiß von genug Leuten, dass sie nur studieren oder diesen oder jenen Beruf erlernen, um es ihren Eltern recht zu machen. Das ist nicht gut und sehr schade. Denn in uns steckt so viel Potenzial und sicherlich bestimmte Talente, die wir noch besser herauslocken können, wenn wir lernen, das zu tun, was uns glücklich macht.

 

9. Bücher sind wunderbar.

Ich habe nicht meine halbe Kindheit damit verbracht, zu lesen und ich wurde nie genötigt ein Buch zu lesen. Ich konnte immer selbst wählen wann und was ich lesen möchte. Während meiner Pendlerzeit habe ich oftmals mehrere Bücher pro Woche gelesen und obwohl wir das Geld nicht im Überfluss hatten, hat meine Mama nie bei Büchern gespart. Wir hatten immer die allertollsten Bücher und ich habe es geliebt, in andere Welten abzutauchen. Und auch jetzt noch liebe ich es in den Büchern meiner Mama zu stöbern. Auf Reisen habe ich anfangs noch “richtige” gedruckte Bücher dabei gehabt und bin dann nach einiger Zeit auf digitale Versionen umgestiegen.

 

10. Fördere deine Talente und sei kreativ.

Sich kreativ zu betätigen ist so immens wichtig. Jeder hat da etwas anderes, was ihm gut tut. Wir haben zuhause immer viel gemalt und gebastelt. Sie hat mich tanzen lassen und im Garten werkeln und zum musischen Malkurs mitgenommen. Das gemeinsam gemalte Bild hängt noch immer in ihrem Wohnzimmer (zu “Phantom der Oper”) und ich weiß noch jetzt, dass mir das sehr viel Spaß gemacht hat.

 

11. Selbstständigkeit.

Wenn du keinen Beruf findest, der zu dir passt, dann mache deine Leidenschaft zum Beruf und mach dich selbstständig. Das hat sie mir vorgemacht, wie sie vor Jahrzehnten einen kleinen “Tante-Emma-Laden” mit ihrer Freundin eröffnete und vielleicht mache ich ihr das irgendwann einmal nach und begebe mich in die Selbständigkeit. Meine Mama hat mir gezeigt, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will und hart dafür arbeitet. Und dass es keine Schande ist, wenn man in dieser Selbständigkeit nicht genug erwirtschaftet und dann wieder in ein “normales” Arbeitsleben als Angestellte wechselt.

 

12. Du musst dich nicht (immer) ins System zwängen, wenn du nicht reinpasst.

Eine Mutter mit zwei Kindern, ohne Mann und dafür aber mit vielen weiblichen alleinerziehenden Freundinnen. Nein, sie hat nicht ins “System” gepasst. Tut sie noch immer nicht. Und das ist gut so! Viele passen nicht ins System, aber zwängen sich trotzdem rein oder denken es ist ein muss, alles so „normal“ wie möglich zu machen. Doch, was ist schon normal? Wir waren nie die perfekte Vorzeigefamilie und hatten keine Familienessen am Sonntag oder gingen zur Kirche: Nein! Warum sich um die Meinung anderer kümmern, wenn man doch glücklich mit seinem Leben ist.

 

13. “One Apple a day keeps the Doctor away”.

Meine Liebe und regelrechte Abhängigkeit zu Früchten habe ich definitiv von meiner Mama. Wenn wir kein frisches Obst zwischen die Beißerchen bekommen sind wir nicht ausgeglichen. Und wenn man sich gesund ernährt muss man auch nicht Unmengen von Medikamenten nehmen. Wir waren als Kinder kaum krank. Vielleicht lag es daran, dass wir immer im Dreck spielen durften und eine gesunde Ernährung genießen durften.

 

14. Naturliebe und etwas zu Ende bringen.

Gärtnern und den grünen Daumen habe ich von beiden Elternteilen und Familienseiten geerbt. Meine Mama hat mich immer “machen lassen”. Ich wollte ein neues Beet anlegen - dann durfte ich das. Ich bildete mir ein die Wiese von Moos befreien zu wollen - ich durfte es tun und begann mit bloßen Händen das Moos aus dem Rasen zu zupfen. Und auch wenn unsere “Baustellen” im Garten für uns zwei Mädels nach kurzer Zeit zu lange dauerten und wir die Lust daran verloren hatten, motivierte uns unsere Mama dazu diese fertig zu stellen.

 

15. Optimismus.

Meine Mama ist der positivste Mensch den ich kenne. Sie sieht immer das Gute und motiviert einen dazu negative Gedanken bei Seite zu legen.

 

16. Organisationstalent:

Wie man einen Haushalt, zwei Kinder und drei Jobs meistert!? Man werde alleinerziehende Mama und mache einfach das Beste draus.

 

17. Immer die richtigen Ratschläge parat.

Meine Mama hat immer ein offenes Ohr und den richtigen Ratschlag mit einer Lebensweisheit parat. Durch eigene Erfahrungen kann sie einem zu jeder Situation einen Rat geben und einen stärken. Sie findet immer die richtigen Worte und bei ihr kann ich mich einfach fallen lassen und die kleine Tochter sein.

 

18. Zusammenhalt:

Meinen Mama ist in allen Lebenslagen für uns zwei Töchter und auch für all ihre Freunde da gewesen, hat einen gestärkt und gezeigt, dass man zusammenhalten muss und dass man durch jede Krise kommt, wenn man nur durchhält. Sei es nun eine private Krise, die dramatische Trennung von der ersten großen Liebe, berufliche Schwierigkeiten, gesundheitliche Probleme oder einfach nur ein Tief, aus dem man nicht mehr herauszukommen scheint: meine Mama hat immer zu uns gehalten und war für uns da und war sogar, als es ihr selbst gesundheitlich nicht gut ging, die “Starke”.

 

19. Plastik ist scheiße.

In einer Phase des Umschwungs hat meine Mama all die Tupperware-Dosen aus ihrem Haushalt verbannt und durch Glas- oder Keramik-Dosen ersetzt. Sie kauft nur noch Getränke in Glasflaschen und schaut darauf so gut wie möglich auf Plastik zu verzichten und schützt dadurch unseren Planeten und hat auch mein persönliches Konsumverhalten dadurch geprägt. Auslöser war ein Film namens “Planet Plastic” oder “Taste the Waste” (meine Mama geht immer in ganz außergewöhnliche Kinofilme).

 

20. Zeit ist das schönste Geschenk.

Als wir vor Jahren die Weihnachtsgeschenke abgeschafft hatten war ich erst einmal gar nicht damit einverstanden. Ich liebe schenken und andere glücklich machen, aber das Konsumverhalten und manche Geschenke überstiegen einfach den Rahmen und so beschlossen wir als Familie Zeit zu schenken und ein gemeinsames Event zu besuchen. Wir gingen auf Gospelkonzerte, zu Akrobatik-Vorstellungen oder in ein Musical. Gegenstände verstauben - Momente bleiben in den Erinnerungen und im Herzen.

 

 

Es ist einfach erstaunlich, wie sehr man von seiner Erziehung und Kindheit geprägt wird. Auch, wenn es nicht immer leicht war, haben wir irgendwie immer das beste daraus gemacht und hatten richtig viel Spaß. Nur weil alles so war, wie es war, bin ich der Mensch, der ich bin. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Dankbar für dich, Mama!

Happy Birthday - bleib mir gesund und munter, fröhlich, positiv, realistisch, optimistisch, lustig und verrückt.